Pflegeversicherung sinnvoll? 2,6 Millionen Deutsche betroffen

2,6 Millionen Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig. Häufig ist ein Herzinfarkt, Schlaganfall oder Alzheimer dafür verantwortlich, dass jemand fremde Hilfe benötigt. In diesem Fall entsteht für die Angehörigen nicht nur menschlich, sondern auch finanziell oft eine große Belastung. Für pflegende Söhne oder Töchter entsteht ein immenser Aufwand. Wer andererseits professionell betreut wird, muss dafür tief in die Tasche greifen. Fest steht: Allein auf die gesetzliche Pflegeversicherung können sich Verbraucher in beiden Fällen nicht verlassen. Deshalb ist es laut Stiftung Warentest und anderen renommierten Einrichtungen sinnvoll, den Schutz durch eine private Pflege-Zusatzversicherung zu erweitern.

Durch die demografische Entwicklung wird die Bedeutung der Pflegeversicherung immer größer. Für das Jahr 2060 prognostizieren die Experten im Barmer GEK Pflegereport einen Anstieg auf 4,5 Millionen pflegebedürftige Deutsche. Dieser Anstieg belastet die Pflegekassen, zumal immer weniger Menschen immer mehr pflegebedürftige Personen finanzieren müssen. Schon heute ist die gesetzliche Pflegeversicherung laut Stiftung Warentest aber nur eine „Teilkasko für den Pflegefall“. Sprich: Die Leistungen reichen in der Regel nicht aus, um die Kosten für die Pflege zu decken. Nicht das komplette Risiko, sondern nur ein bestimmter Teil ist durch den gesetzlichen Schutz abgedeckt. Das ist dennoch ein Fortschritt, denn vor 1995 war die gesetzliche Pflegeversicherung nicht verpflichtend. Heute ist der Pflegeversicherer in der Regel gleichzeitig der gesetzliche beziehungsweise private Krankenversicherer.

Auch der Gesetzgeber hat den großen Wert der Pflegeversicherung erkannt und in den vergangenen Jahren nachgebessert. So wurden durch das Pflegestärkungsgesetz I die Leistungen deutlich angehoben. Im Pflegestärkungsgesetz II sollen insbesondere Demenzkranke deutlich besser gestellt werden, die bislang gegenüber körperlich Kranken benachteiligt sind. Zum 1.1.2017 wird das bisherige System von drei auf fünf Pflegestufen umgestellt. Verbraucherschützer rechnen aber nicht damit, dass die gesetzliche Pflegeversicherung in Zukunft allein die steigenden Kosten für die Pflege auffangen kann. Wer jetzt eine private Pflegeversicherung abschließt, sollte darauf achten, dass die gesetzlichen Änderungen verbraucherfreundlich berücksichtigt werden. Der Tarif sollte also an die neuen Gegebenheiten angepasst werden, ohne dass sich die Bedingungen verschlechtern.

Pflegeversicherung Stufen: Von 0 bis III

Als pflegebedürftig gilt zunächst jemand, der durch eine körperliche oder seelische Erkrankung alltägliche Aufgaben auf Dauer, für mindestens sechs Monate, nicht mehr alleine ohne fremde Hilfe erledigen kann. Zu welcher Pflegestufe die Person zählt, richtet sich nach dem täglichen Bedarf – also welche Unterstützung bei Einkäufen oder bei der Körperhygiene in Anspruch genommen werden muss (siehe Tabelle):

Pflegestufe Gesamter Pflegebedarf Bedarf an Grundpflege Häufigkeit
Pflegestufe I mindestens 90 Minuten pro Tag (erheblich bedürftig) mindestens 45 Minuten 2 x pro Tag
Pflegestufe II mindestens 3 Stunden pro Tag (schwer bedürftig) mindestens 120 Minuten 3 x pro Tag
Pflegestufe III Mind. 5 Stunden während Tag und Nacht (schwerst pflegebedürftig) Mindestens 240 Minuten Auch nachts

Sind Pflegebedürftige noch stärker auf fremde Hilfe angewiesen, können sie als Härtefälle eingestuft werden. Dafür müssen sie pro Tag mindestens sechs Stunden betreut werden. Außerdem ist bei Härtefällen auch in der Nacht eine dreimalige Pflege beziehungsweise eine Betreuung durch zwei Personen notwendig.

Bislang fällt es Demenzkranken der Pflegestufe 0 schwer, einen entsprechenden Bedarf nachzuweisen. Die Definition ist stark auf körperliche Beeinträchtigungen ausgerichtet. Für die Pflegestufe 0 gilt deshalb ein abweichendes Prinzip: Wer beispielsweise an Alzheimer leidet, gilt als pflegebedürftig, wenn er durch „abnormale“ Verhaltensweisen, auffällt – also beispielsweise wenn er durch die Gegend irrt oder einen Zigarettenstummel isst.

Mit fast 1,5 Millionen Deutschen gehört mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen der Pflegestufe I ein. Ein typischer Pflegefall wird in den eigenen vier Wänden durch Angehörige und einen professionellen Dienst betreut. Doch es gibt auch viele andere, schwerere Fälle. Über 800.000 Pflegebedürftige zählen zur Gruppe II. Schwerst pflegebedürftig sind nur etwas mehr als 310.000 Deutsche.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Auf der anderen Seite sind viele Deutsche auch im Alter vital und fit, so dass sie nicht auf fremde Hilfe angewiesen sind. Trotzdem ist das Risiko einer Pflegebedürftigkeit keinesfalls zu unterschätzen. Zumal sich der Sinn der Pflegeversicherung vor allem daran bemessen sollte, ob die Police im Ernstfall finanzielle Probleme abfangen kann oder nicht. Laut PKV-Verband müssen Männer und Frauen ansonsten im Pflegefall pro Jahr 22.000 Euro aus eigener Tasche zahlen – mit steigender Tendenz. Wer genügend eigene Rücklagen hat, kann also unter Umständen auf die Police verzichten.

Bis zu 2.000 Euro Bedarf trotz gesetzlicher Pflegeversicherung

Je nach Beeinträchtigung fällt die finanzielle Lücke („Versorgungs- oder Pflegelücke“) unterschiedlich hoch aus. Ein Beispiel: Die stationäre Betreuung in einem Heim kostet pro Monat ungefähr 3.500 Euro. Die gesetzliche Pflegeversicherung kommt aber nur für rund 1.600 Euro auf. Es fehlen folglich 1.900 Euro, die aus eigener Tasche beglichen werden müssen.

Am teuersten ist die stationäre Betreuung in der Pflegestufe III. Darüber hinaus macht es auch einen Unterschied, ob jemand von Angehörigen oder im Heim betreut wird. Angehörige benötigen etwas weniger (Pflegestufe I) oder etwas mehr (Pflegestufe II) Geld als im Heim. Richtig groß fällt die Differenz aber in der Pflegestufe III aus, in der Angehörige laut Stiftung Warentest rund 2.350 Euro benötigen. Bei einer stationären Betreuung kommt man mit fast 1.000 Euro weniger aus.

Durchschnittlich müssen Pflegebedürftige in etwa mit einer Pflegelücke zwischen 1.400 und bis zu 2.000 Euro rechnen:

Quelle: Pflegeeinrichtungsdatenbank der PKV

Pflegeversicherung sinnvoll? Das sagen Stiftung Warentest und Co.

Die Pflege-Zusatzversicherer werben in erster Linie damit, dass sie die Pflegelücke zwischen gesetzlicher Pflegeversicherung und den tatsächlichen Kosten vollständig schließen können. Das können Verbraucherschützer bestätigen. Mit etwas anderen Worten sagen Stiftung Warentest, der Bund der Versicherten sowie ZDF WISO im Grunde das Gleiche: Die private Pflegeversicherung ist für viele Verbraucher wichtig, um sich auf das Alter vorzubereiten.

Bund der Versicherten:

Um diese Lücke zu schließen, sollten Sie, sobald es Ihnen möglich ist, eine private Pflegezusatzversicherung abschließen.

Stiftung Warentest:

Eine private Absicherung ist sinnvoll.

ZDF Wiso (15.06.2015):

Meist reicht die Rente nicht aus, um die Versorgungslücke zu schließen.

Ein weiterer Grund, der für eine private Pflegeversicherung spricht: Wenn das Geld im Alter knapp wird und die Pflegekosten zu groß, können unter Umständen Angehörige belastet werden. Als Erstes werden neben der Rente des Bedürftigen auch dessen Ersparnisse für die laufenden Kosten verwendet. Erst dann springt das Sozialamt ein, das die Pflegekosten übernimmt. Die Behörde prüft jedoch, ob sie die Angehörigen beteiligen kann – so können Kinder durch den sogenannten Elternunterhalt verpflichtet werden, für ihre pflegebedürftigen Eltern aufzukommen. Das Einkommen bleibt aber immerhin bis zu einer Freigrenze unangetastet. Doch im Normalfall müssen Kinder bzw. dessen verheirateter Partner mit einigen hundert Euro aushelfen. Wer seinen Nachwuchs nicht belasten möchte, kann rechtzeitig eine private Pflegeversicherung abschließen.

Unser Tipp: Neben der private Pflegeversicherung empfehlen Verbraucherzentralen ebenso eine Berufsufähigkeitsversicherung. Mehr zum Thema finden Sie auf unserem Portal http://www.berufsunfaehigkeitsversicherung-test.de

Private Pflegeversicherung: Tagegeld als beliebte Police

Doch es ist gar nicht so leicht, die passende Pflege-Zusatzversicherung aus einer Flut von Angeboten zu finden. Verbraucher müssen sich nicht nur zwischen verschiedenen Unternehmen, sondern gleich zwischen mehreren Formen der privaten Pflegeversicherung entscheiden. Vom Tagegeld oder dem Pflege-Bahr bis hin zur Pflegekostenversicherung oder Pflegerentenversicherung stehen alle Möglichkeiten offen.

Sehr populär ist das Pflegetagegeld, bei dem Versicherer und Kunden einen festen Tagessatz von beispielsweise 50 Euro vereinbaren. Auch höhere oder niedrigere Beträge sind denkbar. Die Summe kann frei verwendet werden. Kunden können also entscheiden, zu welchem Anteil sie das Geld für Pflegepersonal oder für Hilfsmittel ausgeben wollen. Für pflegende Angehörige ist dieses Modell von Vorteil, wenn sie keine tatsächlichen Kosten nachweisen müssen.

Dazu kommt in vielen Verträgen eine einmalige Unterstützung bei einer erstmalig auftretenden Pflegebedürftigkeit. Durch diese einmalige Zahlung können notwendige Umbauten finanziert werden. Eine Pflegetagegeldversicherung kann in der Regel bis zum 65. oder 75. Lebensjahr abgeschlossen werden.

Kunden haben die Auswahl zwischen statischen und flexiblen Tarifen. Grundsätzlich geht es hierbei um die Frage, inwieweit die Leistungen auf die Pflegestufen aufgeteilt werden. 100 Prozent werden in vielen Fällen nur in der höchsten Pflegestufe ausgeschüttet, während die Summe in Pflegestufe II und I gekürzt wird. Beim klassischen statischen Modell legen die Versicherer die Leistungen fest, während die Kunden beim flexiblen Modell die freie Auswahl haben. Die Leistungen dürfen lediglich in einer höheren Pflegestufe nicht niedriger ausfallen als bei einer geringeren Beeinträchtigung.

Beispiel für einen statischen Tarif:

  • Pflegestufe III: 100 %
  • Pflegestufe II: 70 %
  • Pflegestufe I: 40 %
  • Pflegestufe 0: 25 %

Beispiel für einen flexiblen Tarif:

  • Pflegestufe III: 100 %
  • Pflegestufe II: 100 %
  • Pflegestufe I: 100 %
  • Pflegestufe 0: 50 %

Letztendlich werden in beiden Fällen die Kunden in die Verantwortung genommen, die Pflegelücke genau abzuschätzen, damit die Kosten tatsächlich zu 100 Prozent gedeckt werden. Das ist gar nicht so einfach: Um in den niedrigeren Stufen ausreichend abgedeckt zu sein, müssen die Leistungen in der Pflegestufe III ausreichend hoch angesetzt werden. Wer in allen Stufen eine gleich hohe Summe wählt, muss mit sehr hohen Beiträgen rechnen.

Vor- und Nachteile Pflegetagegeld

+ Pflegetagegeld ist nicht zweckgebunden

+ Modell kommt pflegenden Angehörigen zu Gute

  • Vergleichsweise hohe Prämien für Top-Schutz

Pflege-Bahr: Staatlich geförderte Zusatzversicherung

Als Alternative zum „normalen“ Pflegetagegeld stehen Pflege-Bahr-Tarife zur Verfügung. Im Jahr 2013 wurde das Produkt eingeführt und nach dem verantwortlichen FDP-Politiker Daniel Bahr benannt. Die Besonderheit des Pflege-Bahrs liegt in dem staatlichen Prämienzuschuss von fünf Euro pro Monat – falls der Versicherte mindestens selbst zehn Euro des Beitrags übernimmt. Darüber hinaus steht der Pflege-Bahr wirklich allen Verbrauchern offen – bei allen anderen Formen können die Versicherer Anträge aufgrund von hohen Vorerkrankungen ablehnen. Deshalb ist die staatlich geförderte Pflegeversicherung insbesondere für ältere oder chronisch kranke Menschen interessant.

Jüngeren und fitteren Verbrauchern raten Stiftung Warentest und ZDF Wiso jedoch vom Pflege-Bahr ab. Die Verbraucherschützer halten die Leistungen nicht für ausreichend, um die Pflegelücke zu schließen. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Wartezeit bis zur Auszahlung von Leistungen mit fünf Jahren sehr lang ist. Weil deutlich mehr Menschen mit einem hohen Risiko versichert sind, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für das Kollektiv schlechter. Wer die Wahl hat, sollte daher in der Regel eine normale Pflege-Tagegeld bevorzugen.

Für jüngere Verbraucher kommen aber „aufgestockte“ Pflegetagegeldtarife mit einem Zuschuss in Frage. Dabei müssen die Kunden weitaus mehr zahlen als bei normalen Pflege-Bahr-Tarifen, so dass die Leistungen durchaus ausreichen können. Gleichzeitig profitieren die Versicherten von dem staatlichen Zuschuss. Im Finanztest 5/2015 der Stiftung Warentest schnitten solche Kombi-Produkte für die jüngere Zielgruppe gut, aber hauchdünn schlechter ab als reine Pflege-Tagegeldversicherungen.

Vor- und Nachteile Pflege-Bahr

+ für alle Verbraucher verfügbar und für ältere Menschen interessant

+ monatliche staatliche Zulage in Höhe von 5 Euro

  • Leistungen fallen sehr gering aus
  • Lange Wartezeit
  • Schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis

Pflegekostenversicherung als Alternative

Neben dem Modell des Tagegelds bieten die Versicherer ein weiteres Konzept an: Die Pflegekostenversicherung. Dabei erhalten die Kunden garantiert alle Kosten für die Pflege erstattet. Somit ist das Risiko einer Versorgungslücke vollständig aus der Welt geschafft. Denn die Unternehmen kommen für die Differenz zwischen der gesetzlichen Pflegerente und den tatsächlich anfallenden Kosten auf.

Allerdings kann die Summe nicht flexibel verwendet werden – einmalige Investitionen zum barrierefreien Umbau müssen aus dem eigenen Vermögen finanziert werden. Weil die Kosten insgesamt sorgsam dokumentiert werden müssen, zieht die Pflegekostenversicherung einen höheren Aufwand mit sich als die Pflegetagegeldpolice. Das kann sich bei einer kostspieligen Betreuung im Heim jedoch bezahlt machen. Für pflegende Angehörige ergibt sich aber der Nachteil, dass sie ihre eigenen Aufwendungen nur schwer in Rechnung stellen können. Ohnehin müssen Verbraucher bei einer Pflegekostenversicherung früh vorsorgen – ein Abschluss ist je nach Anbieter üblicherweise nur bis zum 50. bis 65. Lebensjahr möglich.

Pflegekostenversicherung Vor- und Nachteile:

+ Leistungen decken den Bedarf zu 100 %

+ für teure Heimbetreuung gut geeignet

  • für die Pflege durch Angehörige weniger sinnvoll
  • keine Beitragsbefreiung im Pflegefall
  • aufwendige Dokumentation

Pflegeversicherung mit Rente und Altersvorsorge

Zu guter Letzt steht Verbrauchern eine Pflegeversicherung in Form einer Rente offen. Hier vereinbaren Kunde und Versicherer eine monatliche Rente, die sich ähnlich wie das Tagegeld nach Belieben verwenden lässt. Das maximale Eintrittsalter ist mit bis zu 65 Jahren ähnlich. Ein Pluspunkt sind die hohen Leistungen für Demenzkranke der Pflegestufe 0. Positiv fällt auch auf, dass im Pflegefall garantiert keine Prämien mehr fällig werden.

Negativ ist laut ZDF Wiso das schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis zu werten. So ist die Pflegerente doppelt so teuer wie das Pflegetagegeld. Üblicherweise wird die Pflegerente nämlich nicht separat, sondern als Kombination mit einem Sparprodukt vertrieben. Dadurch ist die Rente stark von der Finanzmarktentwicklung abhängig. Der Bund der Versicherten rät Verbrauchern, Altersvorsorge und Risikoschutz zu trennen. Auch separate Pflegerentenversicherungen seien oftmals zu teuer.

Pflegerentenversicherung Vor- und Nachteile:

+ lässt sich flexibel verwenden

+ garantierte Beitragsbefreiung im Pflegefall

+ Gute Leistungen bei Demenz

  • sehr teure Police
  • Rente schwankt stark je nach Finanzmarktentwicklung

Pflegeversicherung Kosten pro Monat

Verbrauchern stellt sich außerdem die Frage: Welche Pflegeversicherung kann ich mir überhaupt leisten? Eine Pflegetagegeldversicherung kostet beispielsweise laut Stiftung Warentest

  • 56 Euro für einen 45-Jährigen
  • 87 Euro für einen 55-Jährigen

Die Testsieger aus dem Vergleich von Focus Money 34/2015 berechnen die folgenden Prämien:

  • 34 Euro für eine 25-Jährige
  • 48 Euro für eine 40-Jährige
  • 64 Euro für eine 50-Jährige
  • 87 Euro für eine 60-Jährige

Alter und Gesundheitszustand sind die beiden zentralen Faktoren, nach denen die Unternehmen ihre Prämien berechnen. Das Geschlecht spielt seit der Einführung der Unisex-Tarife keine Rolle mehr. Wie hoch die Kosten im Endeffekt ausfallen, ergibt sich außerdem aus den gewünschten Leistungen. Die Beiträge für die Pflegekostenversicherung sind in etwa mit dem Pflegetagegeld vergleichbar, während die Pflegerente etwa doppelt so teuer ist.

Generell gilt: Je älter der Kunde, desto höher ist das Risiko einer Pflegebedürftigkeit. Dadurch steigen auch die Beiträge zur privaten Pflegeversicherung deutlich an. Außerdem nimmt das Risiko zu, erst gar keinen Vertrag zu erhalten. Aufgrund von Vorerkrankungen oder im hohen Alter wird vielen potenziellen Kunden der Schutz verwehrt. Deshalb empfehlen Verbraucherschützer, möglichst früh vorzusorgen. Einige wenige andere wichtige Versicherungen wie die private Haftpflicht sollten jedoch Vorrang genießen.

Achtung: Ähnlich wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung sollten Kunden nicht den Fehler machen und sich zu unvollständigen Gesundheitsfragen hinreißen lassen. Denn in diesem Fall kann der Versicherer die Leistungen verweigern. Der Kunde hätte also jahrelang für einen nicht-existenten Schutz bezahlt. Wer sich einer Annahme nicht sicher ist, sollte stattdessen mit Hilfe eines Maklers eine anonyme Risikoanfrage stellen. Bleiben mehrere Versuche eines Vertragsabschlusses erfolglos, steht der Pflege-Bahr als Alternative offen.

Pflegeversicherung Leistungen in der Checkliste

Der Blick sollte sich aber nicht nur auf die Kosten, sondern insbesondere auch auf die Vertragsinhalte richten. Aber woran erkenne ich eine gute Pflegeversicherung? In unserer Checkliste zur privaten Pflegeversicherung haben wir 10 wichtige Leistungen zusammengestellt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Checkliste zur Pflegeversicherung:

  • Der Versicherer zahlt in allen drei Pflegestufen (I, II, III)
  • Auch bei Demenz (Pflegestufe 0) sind Zahlungen vorgesehen
  • Die Leistungen fallen daheim nicht geringer aus als im Heim (das empfehlen sowohl ZDF Wiso als auch der Bund der Versicherten)
  • Der private Zusatzversicherer übernimmt die Einschätzung des gesetzlichen Trägers: Pflegebedürftigkeit und Stufe werden anerkannt, ohne dass kein weiterer Nachweis notwendig ist
  • Beiträge und Leistungen sind dynamisch, so dass der durch Inflation entstehende Wertverlust ausgeglichen wird
  • Versicherung auch im Ausland: mindestens im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), besser weltweit
  • Beitragsbefreiung im Pflegefall
  • Leistungen werden lebenslang ausgeschüttet und enden nicht mit einem bestimmten Alter
  • Keine oder geringe Wartezeit, so dass sofort Leistungen in Anspruch genommen werden können
  • Änderungen durch den Gesetzgeber (z.B. Pflegestärkungsgesetz II) können ohne erneute Gesundheitsprüfung übernommen werden

Pflegeversicherung kündigen und wechseln

Wer eine private Pflegeversicherung abschließen möchte, hat eine reichliche Auswahl an Anbietern. Wer bereits eine Police besitzt, kann zum Ende des Versicherungsjahres kündigen. Das ist oft aber erst nach einer ersten „Schonfrist“ von 24 oder 36 Monaten möglich. Danach kann die Police mit einer dreimonatigen Kündigungsfrist aufgehoben werden. Läuft der Vertrag etwa zum 16. Juli aus, ist eine Kündigung bis zum 15. April möglich. An diesem Tag muss dem Versicherer das Schreiben vorliegen, so dass sich ein Versand per Einschreiben empfiehlt.

Wichtig: Der alte Vertrag sollte erst gekündigt werden, wenn der neue Vertrag unter Dach und Fach ist. Schließlich ist es nicht ausgeschlossen, dass der präferierte Versicherer mit dem Verweis auf Vorerkrankungen einen Abschluss ablehnt.

Stiftung Warentest: Pflegeversicherung im Test

Im Test können sich mehrere Pflegeversicherungen empfehlen. Insbesondere die Hanse Merkur, Allianz und Württembergische rücken sich testübergreifend in ein positives Licht. Stiftung Warentest verglich die Pflegetagegeldversicherungen im Finanztest 5/2015 und unterschied zwischen zwei Modellkunden im Alter von 45 sowie 55 Jahren. Die Experten stellten die besten Produkte ohne sowie kombiniert mit staatlicher Förderung vor. Insgesamt kamen 88 Tarife unter die Lupe.

Am meisten überzeugte die Württembergische mit ihrem Produkt, das ohne einen staatlichen Zuschuss auskommt. Die Testsieger der Stiftung Warentest im Überblick:

45 Jahre:

Ohne Förderung: Württembergische, PTPU: sehr gut (1,2)

Mit Förderung: DFV, Deutschlandpflege Ergänzungsabdeckung und DFV Förderpflege: sehr gut (1,4)

Sowie Hanse Merkur, PA und PB: sehr gut (1,4).

55 Jahre:

Ohne Förderung: Württembergische, PTPU: sehr gut (1,5)

Mit Förderung: Hanse Merkur, PA und PB: sehr gut (1,7).

Aus dem Test wird deutlich, dass sich das Preis-Leistungs-Verhältnis mit zunehmendem Alter deutlich verschlechtert. Die Produkte für die 55-jährige Zielgruppe können nicht mit den Tarifen für 45-Jährige mithalten. Außerdem fällt auf, dass die Kombi-Produkte etwas schlechter bewertet werden als reine Pflege-Tagegeldversicherung.

Pflegeversicherung im Vergleich von Focus-Money

Das Wirtschaftsmagazin Focus-Money hat es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, die besten Pflegeversicherungen zu küren. Im Vergleich der Pflegetagegeldversicherungen prüften die Experten die Policen für eine breite Altersgruppe von 25 bis 60 Jahren. Außerdem unterschied Focus-Money in der Ausgabe 34/2015 nach statischen und flexiblen Tarifen. Durchgeführt wurde der Test in Kooperation mit dem Deutschen Finanz-Service Institut (DFSI).

Mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis und einer hohen Finanzstärke glänzen die Allianz sowie Axa. Der statitische Tarif der Allianz erreicht in den älteren Zielgruppen von 40 bis 60 Jahren eine Traumnote, nur für 25-Jährige wird Württembergische etwas besser eingeschätzt. Die Axa und DFV liegen in allen vier Fallbeispielen der flexiblen Tarife gleichauf. Für die jüngsten Kunden (25 Jahre) ist eher die DFV, für ältere Versicherte ab 40 Jahren eher die Axa zu empfehlen.

Beste statische Tarife:

Versicherer Tarif Note
Allianz PZTB03 1,19
DKV Pflege Tagegeld PTG 1,25
Württembergische PTPU 1,50

Beste flexible Tarife:

Versicherer Tarif Durchschnitts-Note
Axa Pflegevorsorge Flex 1,34
DFV DFV-Deutschland-Pflege 1,34
Arag Arag Individual Pflege PI 1,65

Darüber hinaus stellte Focus-Money in einem weiteren Test die besten Pflegerentenversicherungen vor. Im Heft 36/2015 arbeitete das Magazin erneut mit dem DFSI zusammen. Der Test richtete sich an eine wohlhabende Zielgruppen im Alter von 40 bis 65 Jahren. Selbst im Basis-Schutz mussten die Kunden mindestens 100 Euro pro Monat ausgeben.

Je nach Anspruch zeichnen sich unterschiedliche Unternehmen mit der besten Pflegerente aus. Allen voran gibt die WWK (Pflege Rente PR06) in dem Test von Focus-Money ein gutes Bild ab. Sie überzeugt mit den besonders leistungsstarken Komfort und Premium-Produkten sowie den besten flexiblen Tarifen. Auch die Ideal weiß zu überzeugen: Sie bietet den besten Basis-Schutz für 55-jährige Kunden an. Außerdem liegt sie bei den „Basis + Komfort“-Tarifen für 65-jährige Senioren an erster Stelle.

Besten Pflegeversicherungen laut DISQ

Im November 2015 stellte außerdem das Deutsche Institut für Service-Qualität die besten Pflegeversicherungen vor. In Zusammenarbeit mit der Rating-Agentur Franke & Bornberg bewerteten die Experten das Preis-Leistungs-Verhältnis der wichtigsten Anbieter. Unter die Lupe kamen sowohl ungeförderte Tagegeldversicherungen sowie Produkte mit staatlicher Förderung.

An die Spitze setzen sich Unternehmen, die auch im Test der Stiftung Warentest überzeugt haben. Neben der Württembergischen überzeugt auch die Hanse-Merkur. Beim Pflege-Bahr teilen sich die Central und Envivas den ersten Rang.

Bestes Pflegetagegeld:

Versicherer Punkte (von 100)
Württembergische 92,2
Hanse-Merkur 92,0
DFV 88,2
Domcura 88,2

Bester Pflege-Bahr:

Versicherer Punkte (von 100)
Central 93,3
Envivas 93,3
Arag 91,8

Die Pflegeversicherung Tests basieren stets auf Modellannahmen. Es ist sinnvoll, zusätzlich zu vergleichen. Neben Vergleichsrechnern kann auch eine neutrale persönliche Beratung sinnvoll sein, die auch ZDF Wiso den Zuschauern nahelegt.